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Der Absatz von Milchprodukten im Jahr 2022 war im Gegensatz zu 2021 leicht rückfällig. Dies spiegelt die Rückkehr zu einer Situation wie vor der Corona-Pandemie wider. 

Verwertung

Bei der Herstellung der verschiedenen Milchprodukte werden unterschiedliche Anteile von Inhaltsstoffen der Milch benötigt. So wird z. B. bei der Käseproduktion je nach Fettstufe des hergestellten Käses Milchfett abgeschöpft oder zugefügt. Deshalb wird die Verwertung der vermarkteten Milch nach den Inhaltsstoffen der Milch in Milchäquivalenten (MAQ) angegeben. 1 kg Milch mit einem Gehalt von 33 g Eiweiss und 40 g Fett entspricht einem MAQ. Das MAQ dient als Massstab zur Berechnung der in einem Milchprodukt verarbeiteten Milchmenge.

Knapp 47 Prozent der MAQ der vermarkteten Milch flossen in die Käse- und Quarkherstellung, die somit die wichtigsten Verwertungsarten bleiben. Die Käseverwertung ging 2022 um 3,3 Prozent zurück, diejenige von Quark stieg um 8,9 Prozent. Die Verwendung als Konsummilch sank 2022  um 3,3 Prozent.
 

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Die Käseproduktion (inkl. Quark sowie Schaf- und Ziegenkäse) sank im Berichtsjahr gegenüber 2021 um 2,5 Prozent auf 201 937 Tonnen. Halbhartkäse weist dabei mit insgesamt 70 662 Tonnen den grössten Anteil an der Produktion aus, gefolgt von Hartkäse mit 63 358 Tonnen.

Der Emmentaler AOP verzeichnete wie im Vorjahr eine verstärkte Abnahme der Produktion um 10,1 Prozent. Vom Gruyère AOP wurden 1,4 Prozent weniger hergestellt.

In den vergangenen Jahren konnte eine anhaltende Produktionsausdehnung von Halbhartkäse festgestellt werden, der schon seit ein paar Jahren dem Hartkäse den Spitzenrang abläuft. Die Produktion von Halbhartkäse ging im Vergleich zum Vorjahr um 3,1 Prozent zurück. Unter den Produkten mit dem stärksten Produktionsrückgang findet man den Appenzeller (- 15,5 % gegenüber dem Vorjahr) und den halbharten Bergkäse (- 13,1 % gegenüber dem Vorjahr). Gleichzeitig findet man in der Kategorie Halbhartkäse einige Produkte mit steigender Produktion. Zum Beispiel stieg die Produktion von Tête de Moine AOP im 2022 um 9,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Beim Frischkäse nahm die Produktion gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent zu und beim Weichkäse um 5,8 Prozent ab.

An der Spitze der meistproduzierten Käsesorten steht weiterhin der Gruyère AOP mit einer Jahresproduktion von 31 937 Tonnen, an zweiter Stelle der Mozzarella mit 24 366 Tonnen. Auf dem dritten Platz ist – zum ersten Mal seit 2020 – wieder der Quark zu finden, im 2022 mit 17 810 Tonnen Produktion.

Aussenhandel

Die Handelsbilanz der Schweiz für Milch und Milchprodukte (Milch, Frischmilchprodukte wie Joghurt, Rahm, Dauermilchwaren wie Magermilchpulver und Milchpulver, Molke und Molkenpulver, Butter sowie Käse) nach Menge schloss 2022 wie im Vorjahr positiv ab (130 636 t Produktgewicht wurden aus- und 126 043 t eingeführt). Doch im Gegensatz zu 2021 nahm die Ausfuhrmenge von Milch und Milchprodukten um 9,9 Prozent ab. Es wurden 48,7 Prozent weniger Milch und 6,7 Prozent weniger Käse exportiert. Wertmässig wurden Produkte für 775 Millionen Franken exportiert (- 4,3 %) und für 636 Millionen Franken importiert (+ 9,7 %), was einem Ausfuhrüberschuss von 139 Millionen Franken entspricht.

2022 sank der Käseexport um 5 194 auf 72 585 Tonnen (ohne Fertigfondue). Der Käseimport erreichte 73 098 Tonnen, was einer Abnahme von 2 696 Tonnen im Vergleich zu 2021 entspricht. Wertmässig wurde 2022 Käse für 705,7 Millionen Franken exportiert und für 501,8 Millionen Franken importiert.

Die Schweiz führte 2022 mit 58 128 Tonnen (ohne Fertigfondue) 5,6 Prozent weniger Käse in europäische Länder aus als 2021, wobei Deutschland mit 31 940 Tonnen und Italien mit 11 632 Tonnen die Hauptabnehmer waren. Es gilt allerdings zu beachten, dass der Käse nach dem Export in ein EU-Land oft in weitere EU-Länder verkauft wird. Deshalb erlaubt die Zollstatistik keine Aussage darüber, in welchem Land der Schweizer Käse schlussendlich konsumiert wurde.

Wie in den Vorjahren machte 2022 der Hartkäse mit 33 693 Tonnen den höchsten Anteil an den Gesamtexporten aus. Bei den ausländischen Konsumentinnen und Konsumenten am beliebtesten war erneut der Gruyère AOP, wovon insgesamt 13 293 Tonnen exportiert wurden (14 168 t im Jahr 2021). An zweiter Stelle folgt der Emmentaler AOP mit 10 298 Tonnen (10 772 t im Jahr 2021).

Die Käseimporte 2022 im Umfang von 73 098 Tonnen stammten fast ausnahmslos aus der EU. Der grösste Teil wurde wiederum aus Italien (26 394 t), Deutschland (19 202 t) und Frankreich (12 642 t) eingeführt. Die bedeutendsten Importanteile wiesen die Frischkäse mit 31 055 Tonnen (31 377 t im Jahr 2021) sowie die Halbhartkäse mit 13 307 Tonnen auf (14 257 t im Jahr 2021).
 

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Verbrauch

Mit 22,9 kg pro Kopf verminderte sich 2022 der Konsum von Käse gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Prozent. Der Pro-Kopf-Konsum von Frischkäse und Quark stieg jedoch leicht auf 8,5 kg. Der Verbrauch bei der Konsummilch (ohne Milch für die Selbstversorgung auf Landwirtschaftsbetrieben) sank wie schon im Vorjahr um 2,5 Prozent auf 46,0 kg pro Kopf.

Der Pro-Kopf-Konsum von Milch und Milchprodukten insgesamt verändert sich seit längerer Zeit jährlich nur noch in geringem Masse. Verglichen mit den Jahren 2000/02 war der Pro-Kopf-Konsum von Konsummilch im 2022 rund 48 Prozent tiefer (ohne Selbstversorgung auf Landwirtschaftsbetrieben). In derselben Zeit verringerte sich der Pro-Kopf-Konsum von Butter um etwa 10 Prozent, derjenige von Käse konnte dagegen rund 17 Prozent zulegen.
 

Konsumentenpreise im europäischen Vergleich

Wie aufgrund des höheren Preisniveaus auf Stufe Produktion und Verwertung von Milch zu erwarten, fallen in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland, Frankreich und Österreich auch die Konsumentenpreise für Milch und Milchprodukte höher aus. Der grösste Preisunterschied kann bei der Butter beobachtet werden (im Jahr 2022 in der Schweiz Fr. 17.18 / kg, in Deutschland Fr. 8.24 / kg). Ein Liter Vollmilch pasteurisiert ist in Frankreich mit Fr. 0.88 / l am günstigsten (Schweiz Fr. 1.64 / l).

Quellen:
Schweizer Bauernverband, Milchstatistik der Schweiz, 2022
TSM Treuhand GmbH: Jahresstatistik Milchmarkt 2022
FB Marktanalysen

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